{"id":72,"date":"2012-06-15T12:55:39","date_gmt":"2012-06-15T10:55:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=72"},"modified":"2012-06-15T12:55:39","modified_gmt":"2012-06-15T10:55:39","slug":"lange","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=72","title":{"rendered":"Lange"},"content":{"rendered":"<p>Paulina Mihai \u2013 Malerei und Vera Krickhahn \u2013 Skulpturen<\/p>\n<p>Polarisation \u2013 der Titel dieser Ausstellung weist auf ein Novum hin und zugleich auf die m\u00f6gliche Spannung, die zwischen den Werken der beiden autark wirkenden K\u00fcnstlerinnen entsteht.<\/p>\n<p>Letztere ist die der Wahrnehmung von Malerei und Skulpturen, die in dieser Ausstellung ein Ensemble von k\u00fcnstlerischen Werken bilden, also gemeinsam wirken, sich in der Wahrnehmung erg\u00e4nzen, beeinflussen oder auch separieren.<\/p>\n<p>Das Novum ist, da\u00df beide K\u00fcnstlerinnen zum ersten Mal gemeinsam ausstellen, hier im Rum\u00e4nischen Kulturinstitut. Sie heben ihre Werke damit in eine Situation, die Raum l\u00e4sst f\u00fcr ein Zusammenwirken und Erg\u00e4nzen, aber auch f\u00fcr Abgrenzung und Konfrontation. Diese Situation ist gewollt und vermittelt dem Betrachter die M\u00f6glichkeit des Umgangs mit Kunst. Es ist die der Kommunikation, die in dieser Ausstellung gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen gelingt.<\/p>\n<p>Die erste ist die eben allgemein beschriebene: das Aufeinandertreffen von zwei Gattungen der Bildenden Kunst \u2013 Malerei und Bildhauerei. Es ist das Aufeinandertreffen der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung auf der Fl\u00e4che und die der Dreidimensionalit\u00e4t, es ist die des Umgangs mit dem Material Farbe, Metall, Holz und Plexiglas. Und es ist das Aufeinandertreffen der jeweiligen Inhalte, also was sich in den vorgefundenen Ausdrucksformen beider K\u00fcnstlerinnen als Ausgangspunkt oder Motivation verbirgt und auf spezifische Art sichtbar ist. Schon dies er\u00f6ffnet ein Universum, das des Reichtums k\u00fcnstlerischer Gestaltung.<\/p>\n<p>Die zweite Ebene der Kommunikation ist die der Betrachtung. Die Wahrnehmung des jeweiligen Werkes und seiner hier r\u00e4umlichen Zuordnung zu den anderen, aber aus der individuellen Perspektive eines jeden Betrachters. Auch das er\u00f6ffnet einen Freiraum, den der Phantasie und der pers\u00f6nlichen Seherfahrung.<\/p>\n<p>Die dritte Ebene ist die des unmittelbaren Austausches miteinander, den diese Ausstellung erm\u00f6glicht. Auch hier er\u00f6ffnet sich ein Reichtum, denn die Begegnungen finden statt zwischen Bekannten und (noch) nicht Bekannten. Das sich damit ein Reichtum verbindet, der sich aus der jeweiligen Person selbst bestimmt ist fast schl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Kennzeichen dieser Ausstellung ist:<br \/>\nMalerei von Paulina Mihai \u2013 ist der eine Pol. Der andere die Skulpturen von Vera Krickhahn.<br \/>\nBeide K\u00fcnstlerinnen sind in Berlins Kunstlandschaft l\u00e4ngst nicht mehr unbekannt. Sie heben sich mit herausragenden Ausstellungen oder auch Kunst am Bau heraus. Die historischen und k\u00fcnstlerischen Wurzeln beider K\u00fcnstlerinnen sind different und doch \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Paulina Mihai ist in Rum\u00e4nien geboren und hat dort ihre k\u00fcnstlerische Ausbildung an der Kunstakademie Bukarest erfahren. Ihre Kunst offerierte sie in dortigen Museen, in der Kunsthalle Bukarest und nahm teil an Ausstellungen und Symposien in Polen, Ungarn und Frankreich. Ab 1981 lebt sie in Berlin und nimmt hier am Kunstleben teil, so an den Freien Berliner Kunstausstellungen, mit Ausstellungen in der Kunsthalle Berlin, im Kunstverein Schering, in verschiedenen Galerien. Ihre Malerei erweist sich als ein Kontinuum der Abstraktion, wobei die Materialit\u00e4t der Farbe stets zur Auseinandersetzung zwingt, die sich im Malproze\u00df mit Linien und Strukturen erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Auseinandersetzung mit der Spezifik unterschiedlicher Materialien, kennzeichnet das Schaffen von Vera Krickhahn. Ihre Arbeiten leben von dem Kontrast zwischen spielerischem Erkunden und angestrebter Sachlichkeit der Form. Das trifft sowohl auf die Faltungen aus Eisenblech als auch auf die stelenartigen Arbeiten aus Holz und Plexiglas zu. Materialerkundung ist gleichzeitig Gestalterkundung.<\/p>\n<p>Vera Krickhahn, eine in Berlin geborene K\u00fcnstlerin, hat ihr Studium der Bildhauerei als Meistersch\u00fclerin an der Hochschule der K\u00fcnste Berlin 1971 beendet. Sie war neben der freischaffenden T\u00e4tigkeit bis 1989 Dozentin an der Volkhochschule in Berlin-Kreuzberg, \u00fcbernahm Lehrauftr\u00e4ge an der Gewerbef\u00f6rderungsanstalt Berlin und an der HdK Berlin. Seit 1974 ist sie in unterschiedlichen Ausstellungen pr\u00e4sent, so u.a. in Berlin (Ost und West), Heidelberg, Paris, Prag. Wichtig ist ihr der Dialog untereinander, Kommunikation, die sie zur Initiatorin von Projekten macht und die zul\u00e4sst, da\u00df sie sich Begegnungen mit K\u00fcnstlern und ihren Werke aussetzt. Kommunikatives Arbeiten ist f\u00fcr sie auch, sich auch thematischen Auseinandersetzungen zu stellen. Zeugnisse davon findet man im \u00f6ffentlichen Raum, so u.a. am Rathaus Charlottenburg. Oder in Ausstellungen wie einst in Minsk und Berlin, die sich thematisch artikulierte: Der Krieg\u00a0 trifft jeden ins Herz.<\/p>\n<p>Was diese Ausstellung charakterisiert ist das Wagnis erneuter Kommunikation \u2013 zwischen den beiden miteinander befreundeten K\u00fcnstlerinnen und ihren Werken, die nicht auf diese Ausstellung bezogen entstanden sind, sondern wie Pole aufeinander\u00a0 wirken.<\/p>\n<p>Es ist dies die Malerei, die gro\u00dfz\u00fcgige Farbfl\u00e4chen auch im kleinen Format formuliert. Die Bilder scheinen seriell gearbeitet, f\u00fcgen sich aneinander und sind doch von eigenst\u00e4ndiger Wirkung, enth\u00f6be man das eine oder andere Werk der hier anzutreffenden Reihung.<\/p>\n<p>Die Farbfl\u00e4chen bilden abstrakte Formen mit weicher Kontur, fleckartige noch als geometrische Fl\u00e4chen erkennbar. Ein zum Oval tendierender Kreis, konkave und konvexe Begrenzungen von Vierecken. Was das Auge zum Gegenstand formen mag ist von der K\u00fcnstlerin frei provoziert, vielleicht das Bild eines Frauentorso in der Landschaft, eine Landschaft selbst, bestehend aus Wasserl\u00e4ufen, Vegetation und Himmel.<\/p>\n<p>Es gibt keine eindeutigen Konturen. Die Farbfl\u00e4chen in der Begrenzung wirken gebrochen und ihre Schichtung l\u00e4sst ein Vibrieren, ein Schimmern von\u00a0 hellen und dunklen Werten zu. Vorder- und Hintergrund sind nicht eindeutig in eine Perspektive gedr\u00e4ngt, sondern spielen gleich einem Vexierbild miteinander. Vegetativ erscheinende grafische Formen halten das Bildganze. Das satte Gr\u00fcn oder tonartige Braun sind die Raster, in denen sich die farbenen Fl\u00e4chen begegnen, sich zu k\u00f6rperhaften Gebilden wandeln. Diese erscheinen pastos gesetzt, verbergen so die ihnen unterliegenden Schichtungen der schnelltrockenen Acrylfarbe.<\/p>\n<p>Eine \u00fcber Jahre w\u00e4hrende Naturerfahrung liegt diesen Werken zugrunde, Rum\u00e4niens waldige Gebirgsz\u00fcge, das lichtschimmernde Mittelmeer an den K\u00fcsten S\u00fcdfrankreichs, die herbstigen B\u00e4ume aus der Gegenwart. Es ist darin die Urkraft der Elemente zentriert, Luft, Wasser, Erde. Indirekt flie\u00dft daraus einer Kraftquell gleich der Farbenstrom, den Paulina Mihai in unterschiedlichen Formaten zu betten wei\u00df.<\/p>\n<p>Paulina Mihai arbeitet substanziell, die Acrylfarbe, ihr jetziges Mittel mu\u00df die Sch\u00fcbe farbener Expression aufnehmen und halten. Sie wird in eine Z\u00e4hfl\u00fcssigkeit versetzt, so da\u00df sie die Wucht wie auch Z\u00fcgigkeit des Farbauftrags gebremst, verhaltend gemacht wird. Die Energie der Erfahrung flie\u00dft in die des Machens und teilt sich dem Sehenden mit. Insofern wirken ihre Bilder spirituell.<\/p>\n<p>Die farbene Fl\u00e4che auf der Leinwand die Dimension von Raum zu verleihen, formuliert die Malerei von Paulina Mihai. Das sich der skulpturale Raum aus Fl\u00e4chen zusammensetzen kann, beweisen die konstruktiv wirkenden Faltungen aus Eisenblech von Vera Krickhahn. Mit \u201eL\u00b4arche sind&#8221; diese Arbeiten betitelt, einer Reihe von f\u00fcnft gro\u00dfformatigen Formungen aus Metall. Aus der Zeichnung erwuchsen diese Skulpturen, denen das eine Vielgestaltigkeit in sich selbst eigen ist. Diese erw\u00e4chst aus der ge\u00f6ffneten Form, die unz\u00e4hlige Durchblicke zul\u00e4sst. Je nach Standpunkt des Betrachters ver\u00e4ndert sich die Eindeutigkeit zur Mehrdeutigkeit. Das mag auch f\u00fcr eine Metapher stehen, das Leben und den Menschen betreffend. Auch in der strengen Ordnung von Acrylglas in den Holzquadern \u00e4ndert sich sich die wahrgenommene Erscheinung der skulpturalen Form. Aber nicht allein das ist das Anliegen der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst macht sie auf ein geheimnisvolles Zusammenspiel der Materialien aufmerksam, das fasziniert. Der hier gestaltete Zusammenhang, der sich aus einem Gegensatz zu ergeben scheint, birgt einen anderen, nat\u00fcrlichen. Es ist die Natur in ihrer Millionen Jahre umfassenden Dimension von Ver\u00e4nderung, die gleichsam der gemeinsame Ursprung der verwendeten Materialien ist. Aus organischen Stoffen wie Holz entstand ein fossiles Element, das Erd\u00f6l, aus dem heute u.a. das Plexiglas gefertigt wird. Eine Dimension von Dasein wird so er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Was sich aber mitteilt \u00fcber den Inhalt der Texte bei der Skulptur \u201eTotem&#8221; oder durch die Lichteffekte der farbigen Bearbeitung des sonst transparenten Plexiglases ist die Dimension der Betrachtung, die ihre Werke auszul\u00f6sen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Mit farbigen Bewegungsl\u00e4ufen oder Texturen, die das Plexiglas festh\u00e4lt, welche die K\u00fcnstlerin aber nur im Akt von Ann\u00e4hern und Entfernung vom Gegenstand dem Betrachter visuell erfassbar macht, l\u00f6st sie Ver\u00e4nderung des Standpunktes aus. Damit unterstellt sie ihre Skulpturen einer ganzheitlichen Betrachtung, die sowohl auf das visuelle Erleben als auch die emotionale wie geistige Hinwendung immanent ist.<\/p>\n<p>So sind ihre Skulpturen sinnbildhafte k\u00f6rperhafte Formulierungen, die auf Zwischent\u00f6ne unterschiedlicher Daseinsformen aufmerksam machen, die Ganzheitlichkeit von Welt betreffend.<\/p>\n<p>Petra Lange<br \/>\nBerlin, den 3.11.2001<\/p>\n<p>Rede zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung : Polarisationen<br \/>\nRum\u00e4nisches Kulturinstitut Titu Maiorescu, mit der<br \/>\nGalerie Petra Lange, Berlin<br \/>\nCopyright bei der Autorin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paulina Mihai \u2013 Malerei und Vera Krickhahn \u2013 Skulpturen Polarisation \u2013 der Titel dieser Ausstellung weist auf ein Novum hin und zugleich auf die m\u00f6gliche Spannung, die zwischen den Werken der beiden autark wirkenden K\u00fcnstlerinnen entsteht. 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