{"id":77,"date":"2012-06-15T12:59:06","date_gmt":"2012-06-15T10:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=77"},"modified":"2012-06-15T12:59:06","modified_gmt":"2012-06-15T10:59:06","slug":"welzel","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=77","title":{"rendered":"Welzel"},"content":{"rendered":"<p>Paulina Mihai &#8220;20 Jahre in Berlin&#8221;<\/p>\n<p>Ohne Frage &#8211; diese Ausstellung ist etwas Besonderes. Zum einen beginnt mit ihr ein neues Kapitel in der Geschichte der Condat-Galerie: Durch den Umzug in das neue Condat-Haus hat die Condat-Galerie ein neues Wirkungsfeld, einen neuen Aktionsradius &#8211;\u00a0 kurzum &#8211; neue, wei\u00dfe W\u00e4nde erhalten, die es zu entdecken und zu erobern gilt. Zum anderen stellt das heutige Ausstellungsereignis ein markantes Jubil\u00e4um dar: Vor 20 Jahren kam die renommierte Malerin Paulina Mihai von Bukarest nach Berlin, wo sie seitdem lebt und arbeitet. F\u00fcr die Condat-Galerie ist es eine gro\u00dfe Ehre, dieses Berlin-Jubil\u00e4um von Paulina Mihai, die 1974 die Kunstakademie in Bukarest absolvierte und seit den fr\u00fchen 1970er Jahren weltweit an vielen Ausstellungen teilgenommen hat, ausrichten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die hier pr\u00e4sentierten Bilder von Paulina Mihai \u00fcberfluten wie farbige Wogen die Sinne des Betrachters und werden zu einem bet\u00f6renden Meer aus Farbe, das st\u00fcrmisch-expressiv und dennoch ruhig und ausgeglichen wirkt, das klar ist und dennoch geheimnisvolle Untiefen kennt, das polychrom bewegt und dennoch monochrome Strudel hat. Vielleicht hat die Malerin mit diesem rauschenden Farbenmeer ihre Impressionen von einem s\u00fcdlichen Land mitgebracht &#8211;\u00a0 vielleicht hat sie damit aber auch ein St\u00fcck ihrer rum\u00e4nischen Heimat mitgebracht &#8211;\u00a0 ein St\u00fcck dieses auf die r\u00f6mische Provinz Dakien zur\u00fcckgehenden Landes am Schwarzen Meer &#8211; ein St\u00fcck dieses hier immer noch etwas unbekannten, s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Landes mit seinen hei\u00dfen und trockenen Sommern.<\/p>\n<p>In Paulina Mihais Farbenmeer begegnen wir immer wieder einem Blau, das mal an den sph\u00e4risch-luftigen Sommerhimmel, mal an erfrischend k\u00fchles Wasser erinnert, einem erdigen Gr\u00fcn, das nach saftigem Moos und Laub riecht, einem Gelb und Orange, das die W\u00e4rme der Sonne und den Duft der S\u00fcdfr\u00fcchte atmet, einem h\u00f6lzernen Braun, das die B\u00e4ume und Geh\u00f6lze tragen, einem rostigen Rotbraun, das ausgetrockneter, verbrannter Erde gleicht, und einem steinernen Grau, aus dem die Felsen und Berge sind. Dazwischen immer wieder schwarze Linien, die vielleicht auf die Traditionen der heute immer noch hoch entwickelten rum\u00e4nischen Ikonenmalerei zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Doch anders als bei den heiligen Kultbildern ziehen diese schwarzen Linien keine strengen, statischen Konturen. Eher wie Fl\u00fcsse, die auftauchen und wieder verschwinden, oder wie nat\u00fcrliche Grenzen, die immer wieder durch &#8211; und unterbrochen werden, schl\u00e4ngeln sich die schwarzen Linien durch das Farbenmeer, rhythmisieren und strukturieren es.<\/p>\n<p>Paulina Mihai ist eine Malerin der Farbe. Sie denkt, sie lebt, sie sieht, sie f\u00fchlt, sie tr\u00e4umt, sie erinnert sich in Farbe. Sie l\u00e4sst sich von der Farbe f\u00fchren und lenken. Sie pr\u00fcft, ob die Leinwand die Farbe tragen kann, ob der Leinwand die Farbe steht, ob die Farbe die Leinwand kleidet. Die Farbe ist bei Paulina Mihai das A und das O\u00a0 der Anfang und das Ende.<\/p>\n<p>Diese einmaligen Farbtr\u00e4ume m\u00fcnden in gegenstandslose Bildwelten, die frei von den strengen Gesetzen und Auflagen der Mimesis &#8211; dieser sklavenhaft nachahmenden Darstellung der Natur &#8211; sind. Doch dennoch ist die Natur in den abstrakten Farbformationen von Paulina Mihai allgegenw\u00e4rtig. Sie hinterl\u00e4sst fragmentarische Spuren, sie gibt Raum f\u00fcr Assoziationen, Interpretationen und Spekulationen: Sind es nicht Landschaften, die uns Paulina Mihai mit ihren Bildern zeigt? Sind es nicht Landschaften mit gr\u00fcnen T\u00e4lern, mit steinigen Felsgebilden, mit Fl\u00fcssen, mit Wasser, mit Luft? Sind es nicht Landschaften, die ganz entfernt, unscharf und reduziert erfasst worden sind\u00a0 &#8211; wie aus der schwindelerregenden Perspektive eines immer h\u00f6her steigenden Flugzeugs oder wie aus dem sich immer weiter entfernenden Sog der Tr\u00e4ume und Erinnerungen?<\/p>\n<p>Vielleicht sind es gesehene, vielleicht sind es erdachte, vielleicht sind es ertr\u00e4umte Landschaften. Aber auf jeden Fall sind es tief verinnerlichte Landschaften, die durch den Kodex der Malerei zu faszinierenden Bildlandschaften werden. Dies veranschaulicht der Bildaufbau mit seinen Br\u00fcchen, mit seinen H\u00f6hen und Tiefen, mit seinen unterschiedlichen R\u00e4umen, die der Bildfl\u00e4che entlockt werden. Dies veranschaulicht der Duktus, der sich frei und in nat\u00fcrlicher Ungezwungenheit bewegt. Dies veranschaulicht die grobe Faktur, das haptische Farbmaterial, das immer wieder an sandigen Boden, an verkrustete Erde und steinige Felsen erinnert.<\/p>\n<p>Mit diesen eigenst\u00e4ndigen Bildlandschaften, die gesehen, gef\u00fchlt, gedacht und immer wieder aufs Neue entdeckt werden k\u00f6nnen, erf\u00fcllt Paulina Mihai auf ihre besondere Art die damals zu seiner Zeit modern anmutende Forderung von Eug\u00e8ne Delacroix (1798-1863), nach der Bilder in erster Linie ein Fest f\u00fcr die Augen sein sollen.<\/p>\n<p>Zu einem einmaligen Fest f\u00fcr die Augen m\u00f6chte diese Ausstellung Sie nun herzlich einladen.<\/p>\n<p>Heike Welzel<br \/>\nCondat-Galerie<br \/>\nJuli 2001<\/p>\n<p>Rede zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung \u201cPaulina Mihai &#8211; 20 Jahre in Berlin\u201d<br \/>\nin der Condat-Galerie, Berlin<br \/>\nCopyright bei der Autorin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paulina Mihai &#8220;20 Jahre in Berlin&#8221; Ohne Frage &#8211; diese Ausstellung ist etwas Besonderes. 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