{"id":81,"date":"2012-06-15T13:01:47","date_gmt":"2012-06-15T11:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=81"},"modified":"2012-06-15T13:01:47","modified_gmt":"2012-06-15T11:01:47","slug":"lingnau","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=81","title":{"rendered":"Lingnau"},"content":{"rendered":"<p>Paulina Mihai &#8211; Malerei<\/p>\n<p>Die Arbeiten von Paulina Mihai lassen sich &#8211; im Rahmen dessen was k\u00fcnstlerisch in der Welt geschieht &#8211; unter drei wesentlichen Aspekten betrachten, die man trennen kann, auch wenn sie nat\u00fcrlich im k\u00fcnstlerischen Ergebnis eine Einheit bilden. Diese Aspekte hei\u00dfen Linie, Farbe und Materie. Man mag auch spezifischer sagen: die Expressivit\u00e4t der Linie, die Expressivit\u00e4t der Farbe und die Expressivit\u00e4t der Materie. Der Ausdruck ist hierbei weniger auf das Subjekt als auf das Wesen eben dieser drei bildnerischen Elemente gerichtet, so wie ganz allgemein gesprochen, eine Linie, eine Farbe, eine Struktur Ausdruck haben k\u00f6nnen, ohne das &#8220;jemand&#8221; sich durch sie hindurch ausdr\u00fcckt. Das ist, jenseits der Selbstverst\u00e4ndlichkeit, da\u00df ein K\u00fcnstler sich durch sein Werk immer ausdr\u00fcckt, wichtig weil man die Malerei von Paulina Mihai verfehlen w\u00fcrde, wenn man glaubte ihre Kunst diene vor allem dem Subjektiven. Ihr geht es stets um das Objektive, f\u00fcr sich bestehende, von der Gef\u00fchlswelt des K\u00fcnstlers losgel\u00f6ste Faktum Bild. Was diese Bilder ausdr\u00fccken ist nicht die Spiegelung von Eigenschaften des K\u00fcnstlers, als vielmehr eine vom K\u00fcnstler sichtbargemachte Eigenschaft des Bildes selbst.<\/p>\n<p>Die Linienf\u00fchrung von spr\u00f6dem und bisweilen hartem Charakter ist eine, die abrupt gegen Widerst\u00e4nde ank\u00e4mpft und keine von melodi\u00f6sem sich selbst genie\u00dfendem Flu\u00df. Die Linie in diesem Sinne demonstriert eine Aktion, die schwarzen Graphismen konturieren und durchkreuzen. Nicht eine festgef\u00fcgte Form ist das Wesentliche, sondern der dynamische Verlauf der Linie, wodurch der Gedanke an geometrische Strukturen in den Bildern fast v\u00f6llig ausgel\u00f6scht wird.<\/p>\n<p>Der Umgang mit der Farbe l\u00e4\u00dft eine gewisse Neigung zur Monochromie erkennen, die aber nie in monchromer Malerei endet, die Farbe wird nicht absolut gesetzt. Auch die Auffassung der Farbe tendiert zum Materiellen, die hier durch die Beimischungen verschiedener Stoffe in die Farbe angedeutet ist. Die Farbe ist nicht das, was auf die Leinwand aufgetragen wird, sondern Eigenschaft des Materiellen<\/p>\n<p>Entgegen der Malerei mit ihrer malerischen Schrift, der &#8220;peinture&#8221;,\u00a0 haben wir es mit einer Vorstellung von dichten, harten, verkrusteten Materialien zu tun, die mehr will als fl\u00fcssige Farbe, dem eigentlichen Material der Malerei. Bilder sind so weniger Bilder von etwas, als Bilder durch etwas; durch Material eben. Die stofflichen Eigenarten der Bilder wie hart, weich, scheinhaft, schwebend, solide, usw. werden zu Elementen des bildnerischen Denkens. Bei allem Interesse an der Materialit\u00e4t werden die Bilder aber nie zu Materialbildern im Wortsinne. Es handelt sich um eine Malerei die Erkundungen der Materialit\u00e4t betreibt, aber immer Malerei bleibt.<\/p>\n<p>Die Bilder geh\u00f6ren zu einer gegenstandslosen Welt. Ihr strukturelles Ger\u00fcst h\u00e4ngt mit den \u00dcberlegungen \u00fcber einen Weg zusammen, die Welt in ein Bild zu verwandeln. Auf experimentelle Art wird nach der M\u00f6glichkeit der Abschaffung vorgegebener Malstrukturen gesucht. Gerade das aber bedarf gegenst\u00e4ndlicher Reste oder wenigstens linearer Strukturen. Bei den Verfahren der abstrakten Malerei f\u00fchrt das h\u00e4ufig, fast zwangsl\u00e4ufig, zu Geometrisierung. In den Bildern von Paulina Mihai erscheinen dagegen h\u00e4ufig Naturformen oder besser Naturfragmente. Die Bildhaut erinnert gelegentlich an Erde, manchmal gibt es einen Horizont u.\u00e4.. Trotz der naheliegenden Assoziation zur Landschaft haben wir es aber nicht mit Landschaftsmalerei zu tun. Die Malerin wird zu einer Geologin oder Ausgr\u00e4berin in einer Welt, die viele Geheimnisse birgt, sie wei\u00df, da\u00df sie diese Geheimnisse nicht entr\u00e4tseln kann und enth\u00fcllt darum nicht die endg\u00fcltige und vertraute Form &#8211; keine &#8220;Entformen&#8221;, wie Paul Klee sagte &#8211; sondern nur Zeichen und Chiffren, die nicht zu deuten und die doch bedeutsam sind. Die Malerin versteht sich nicht als jemand, die ein sekund\u00e4res Nachbild von einer prim\u00e4ren Wirklichkeit schafft. Es soll nicht die Illusion des sinnlichen Lebens, der Wirklichkeit erweckt werden. Die Bilder sind so weniger ein festes Ding, eine materielle Realit\u00e4t, als vielmehr ein Proze\u00df der Darstellung, in dem vor allem die Schwere und die Materialit\u00e4t zur Anschauung gebracht werden.<\/p>\n<p>Jochen Lingnau<\/p>\n<p>Text zur Ausstellung in der Galerie Stil und Bruch, Berlin 1994<br \/>\nCopyright beim Autor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paulina Mihai &#8211; Malerei Die Arbeiten von Paulina Mihai lassen sich &#8211; im Rahmen dessen was k\u00fcnstlerisch in der Welt geschieht &#8211; unter drei wesentlichen Aspekten betrachten, die man trennen kann, auch wenn sie nat\u00fcrlich im k\u00fcnstlerischen Ergebnis eine Einheit &hellip; <a href=\"http:\/\/www.paulinamihai.de\/?page_id=81\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":38,"menu_order":40,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"onecolumn-page.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-81","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/81","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=81"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/81\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82,"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/81\/revisions\/82"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/38"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.paulinamihai.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=81"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}